„Tonnenschwer, mächtig, knorrige Ausbuchtungen jahrhundertelangen Wachstums. Unser Mahagonibaum, vor 1000 oder mehr Jahren entwurzelt, vom Fluß Maekok viele Kilometer getragen und dann an einer Biegung vom Land wieder gefangen. In Jahrzehnten von Schlamm und Erde begraben, der Baum. 1000 Jahre verborgen. Bis die große Straße kam, bis der Riesenbagger den alten großen Baum freilegte. Der Baum jetzt dunkel wie eine Mooreiche, durchdrungen vom Saft des Flusses, von den Farben des Regenwaldes. Ein großes Stück Geschichte des Urwaldes. Was hat dieser Baum gesehen vor seiner Reise? Tiger, Elefanten, schwarze Panther, Flöße der Khmer? Vor 1000 oder 2000 Jahren?“ So beginnt Dr. Robert Prestele die Vernissage der Ausstellung „Magie des Regenwaldes“
„Wir wollten seine Geschichte bewahren und haben ihn in unsere Obhut genommen. Nun steht er hier nach einer Reise von 10000 km, in Vorarlberg. Wir haben ihn etwas verändert, etwas in Form gesetzt, poliert. Mächtig strahlt er seine Kraft aus.“
Versteinerte Mahagoni – tropische Mooreiche
Dieser Baum ist der Mittelpunkt der Ausstellung „Tropenhölzer“ in Höchst, Vorarlberg, welche am 29.11.2011 seine offizielle Einweihung hatte. „Mangostil“. „emotion for a lifetime“, so sollen die Regenwaldexponate, aber auch die hochwertigen Produkte wirken.
Zwischen Möbeln aus Teakholz, welches von ehemaligen Nordthailändischen Wohnhäusern stammt, stehen Skulpturen abgestorbener Bäume. Italienische Designerbestecke ruhen auf Tischen aus Treibholz. Lampen aus Seide und Mangoholz beleuchten Bugattis Kaffeemaschine.
Ungewöhnliche Holzobjekte
Während die Tropenhölzer in der oberen Ebene die Accessoires umrahmen, finden sich in der unteren Ebene eine dichte Ansammlung ungewöhnlichster Holzobjekte. Akazienhölzer in solch bizarren Formen, wie sie im deutschsprachigen Raum in dieser Form noch nicht gezeigt wurden, sind in einer magischen Spirale aufgestellt. Die Mitte der Spirale zentriert ein Mühlenrad aus uraltem Teak. Hier verweilend, spürt man die magische Kraft der Hözer.

Im Aussengelände und Foyer werden riesige Baumscheiben uralter Akazien und mächtige Würgefeigen präsentiert. Diese Hölzer dürfen und sollen ihre Kraft weiterentfalten. Der phantasievollen Nutzung sind keine Grenzen gesetzt. Ob als Einzelobjekt, Tisch , Ladentheke, Sideboard oder Kanzel in einer Kirche. „Jede dieser Baumskulpturen wird einen Menschen finden, der begeistert einen Bestimmungsort festlegt. Und diese Hölzer werden dann dort ihre Kraft an Menschen weitergeben“, so Dr. Robert Prestele.
Umrahmt wird die Ausstellung von einer zweiten Ausstellung. Etwa 60 Bilder zeitgenössischer Thailändischer Maler setzen an vielen Punkten farbliche Accente. Maler, die in einem armen Land nur schwierig vom Malen leben können, werden so unterstützt.
Wer steckt hinter dieser Ausstellung?
Beeindruckt von der kraftvollen Natur südostasiatischer Regenwälder, beeindruckt vom handwerklichen Geschick der Menschen dieser Region und angetan von der direkten und ehrlichen Freundlichkeit der Menschen in Thailand, begann vor Jahren die Familie einen Urlaubstraum in die Tat umzusetzen. Schöne kunsthandwerkliche Produkte von Thailand nach Europa zu importieren und hier zu verkaufen. Die Begeisterung für die Produkte, aber auch für die Menschen aus Thailand war Inhalt der Vision. Den Lebensunterhalt mit schönen Dingen zu verdienen und dabei auch armen Menschen durch fairen Handel zu helfen. So entwickelte sich ein Großhandel zunächst für handgeschöpfte Papiere und Accessoires aus Mangoholz. Es waren die Kunden, die immer wieder inspirierten dieses oder jenes Produkt zu importieren und es waren die Reisen durch das Land, die Besuche der Märkte, der Manufakturen und Kleinhandwerker, die zu der heutigen Auswahl an Lampen und Möbeln führte. Lampen aus Mangoholz und Seide, Lampen aus Wurzeln und Treibholz, Möbel aus Treibholz und recyceltem Teak, Holzobjekte aus uralten Akazien, Skulpturen aus Lianen.
Einen schweren Rückschlag musste Familie Prestele im Mai dieses Jahres erleben. Durch Brandstiftung wurden Lager und Ladengeschäft in Augsburg total zerstört. Hier hätten vielleicht viele andere aufgegeben. Doch in der Familie wurde entschieden: jetzt erst recht. Nach kurzer Schockstarre wurde wieder am Aufbau gearbeitet. Sebastian Prestele, der älteste Sohn (28) lebte seit 2004 in Thailand. Er und seine Frau Sukanya hatten den Einkauf stark unterstützt und organisierten die Logistik. Auch Sebastian Prestele hatte bereits in Thailand Schlimmes erlebt. Bereits wenige Monate nach seiner Ankunft in 2004 erlebte und überlebte er den verheerenden Tsunami. Nach dem Brand kehrte Sebastian Prestele mit seiner Familie nach Deutschland zurück, um den Wiederaufbau zu unterstützen.
Die Ausstellung läuft noch bis 31.12.2011